03.03.2010 Nachricht aus Norwegen

Die Fähre in Oslo
Johannes Klemm, gelernter Steinmetz, erhielt im Dezember letzten Jahres ein Baden-Württemberg-STIPENDIUM für Berufstätige. Sein sechsmonatiges Praktikum verbringt er zurzeit in der Bauhütte des Doms von Trondheim in Norwegen. Von seinen ersten zwei Monaten in dem skandinavischen Land berichtet er uns in einer E-Mail:
"Als ich am 8. Januar in Oslo mit der Fähre ankam, war es bitterkalt (so um die -23 °C), die abendliche Stadtbesichtigung hatte ich deshalb sein lassen, auch weil mir Oslo auf den ersten Blick nicht sehr einladend erschien. Die fahrt nach Trondheim am nächsten Tag war dafür umso schöner: Sonnenschein, schneebedeckte Wälder, weite, hügelige Landschaften, und in der Abenddämmerung schimmerte ein erst blassvioletter, dann intensiv blauer Himmel über den weißen Bergen am Horizont.
Hier in Trondheim wohne ich in einer 4er-WG in einer Studentensiedlung (das Zimmer wurde im Vorfeld für mich organisiert) zusammen mit einem Norweger und zwei Griechen. Wir sind eine nette Truppe, kochen oft zusammen, spielen Karten und werden demnächst zusammen Langlaufen gehen. Ich habe mir neulich Langlaufskier gekauft - eine der wenigen Sachen hier, die nicht viel teurer, wenn nicht gar billiger sind als in Deutschland.

Johannes Klemm (Dritter von links) und einige Kollegen
Die ersten Tage in der Werkstatt waren ganz schön gewöhnungsbedürftig - im positiven Sinn. Normalerweise habe ich fast den ganzen Tag Maschinen in der Hand; es ist laut, staubig und im Winter nicht sehr warm in der Werkstatt... Das Wichtigste aber ist: schell muss es gehen! Die entspannte Atmosphäre hier war am Anfang fast unheimlich. Zwei kleine Profilstücke habe ich schon gehauen. Im Moment arbeite ich an einem etwas größeren Brocken. Ich habe hier ziemlich viele Freiheiten, ich kann meine Zeit einteilen wie ich möchte und wahrscheinlich werde ich mir die anderen Werkstätten, etwa die Schmiede, die Gipser und die Glaswerkstatt, noch etwas näher anschauen.

Das erste Werkstück in der neuen Werkstatt
Ich versuche auch etwas Norwegisch zu lernen. Es gibt einen Norwegisch-Kurs an der Uni, für den ich nichts bezahlen muss. (Ich habe mich da so ein wenig reingeschmuggelt, und der Lehrer duldet mich freundlicherweise. Die normalen Kurse beginnen nämlich erst wieder Mitte März.) Ansonsten versuche ich mich im Zeitung lesen, was ganz gut klappt, im Gegensatz zur täglichen Kommunikation mit meinen Kollegen, die allesamt den Trondheimer Dialekt sprechen.
Es ist wirklich ein netter Fleck hier. Ich habe nette Kollegen und werde auch mit Sicherheit hier noch weiterhin eine gute Zeit erleben."

