Programmlinie für Filmproduktion

Normal 0 21 MicrosoftInternetExplorer4

Hollywood Workshop 2009

Im August 2009 brach eine Gruppe von Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg zu einer Exkursion nach Los Angeles auf. Begleitet von Tommi Lechner, dem zentralen Herstellungsleiter der Filmakademie, nahmen die Teilnehmer an einem Programm der rennomierten Filmhochschule UCLA teil und erhielten exklusive Einblicke in das Filmschaffen in Hollywood.

Tommi-Kopie.jpg

Aus über 40 Bewerbern hat die Landesstiftung 12 herausragende Studierende ausgewählt und ermöglicht ihnen die Teilnahme am Hollywood Workshop durch Baden_Württemberg STIPENDIEN der Sonderlinie Filmproduktion. Projektleiter Tommi Lechner gewährt Einblicke in den Hollywood Workshop 2009.

Die Vorbereitungen sind getroffen, die Flüge gebucht, es kann losgehen. Am 3.August machen sich 12 Studierende der Filmakademie Baden-Württemberg auf den Weg in die Metropole der internationalen Filmwirtschaft, das Mekka aller Film Freaks, die city of dreams der mitreisenden Filmstudenten. sechs Studenten der Filmproduktion, drei Regiestudenten, ein Szenenbildner, eine Drehbuchautorin und ein Kameramann. Alle vereint in der Frage: Wie machen die das über dem großen Teich? Steigende Zuschauerzahlen, Umsatzrekorde, Millionenbudgets, und dies in Zeiten einer weltweiten Rezession. Wir suchen Einblicke in die Geheimnisse einer einzigartigen Erfolgsgeschichte, dem Exportschlager der US-Ökonomie. -HOLLYWOOD-. In den kommenden 4 Wochen wollen wir der Sache auf den Grund gehen. Der Unterricht findet an der UCLA statt. Einer der wichtigsten Filmschulen der Welt, mit einem dichten Netzwerk an Brancheninsidern und Filmschaffenden. Wir werden sie treffen, ihnen Fragen stellen, von ihnen lernen, mit ihnen diskutieren.

IMG_1731.jpg

  Eine Auswahl

Der erste Tag beginnt mit einem Seminar von Sharon Waxman, Herausgeberin von www.thewrap.com, einem Online Portal für die Filmwirtschaft. Die Printmedien, wie das Branchenblatt Variety oder der legendäre Hollywood Reporter sind am Ende. Der Anzeigenmarkt ist im Keller. Die Abonnenten fehlen. Im Zeitalter von Twitter, Facebook und Blackberry hat keiner mehr Zeit zu lesen. Im Netz verbreiten sich die Nachrichten von Zahlen, Hits und Flops in Windeseile. Die energetische Online Journalistin hat die Zeichen der Zeit erkannt. Nach der Washington Post und der LA Times nun das world wide web. Geschwindigkeit ist ein Zauberwort in dieser Stadt. Twitter has changed the industry. Also Gas geben, hier muss man am Puls des Geschehens sein.

Nächster Tag: Bianca Bezdek, eine Anwältin in Sachen Filmfinanzierung. Sie spricht in einem wahnsinnigen Tempo, wirft Zahlen, Fakten und Quoten umher, jongliert mit Statistiken, Schaubildern und Powerpoint Präsentationen. Who is Who in Hollywood. Ein Rausch an Informationen für unsere Studierenden, vorgetragen von einer  Powerfrau, die weiß wovon sie spricht. Es gibt sie also, die hart arbeitenden, smarten Business Leute in Hollywood. Es heißt ja auch Film BUSINESS und da muss man wissen woher die Dollars kommen.

IMG_1863.jpg

Weiter geht’s mit dem Head Autor von LOST. Eine der erfolgreichsten Serien im US-TV und weltweit. Warum sind deren Serien sooo gut. Xavier Grillo Marxuach ist ein Profi und sympathisch dazu. In einem Writers Room werden 8-10 Autoren zusammengesperrt und erst wieder herausgelassen, wenn sie eine fertige Episode, meist nach 4 Wochen, entwickelt haben. Talent gepaart mit Professionalismus, zum Erfolg verdammt. Eine Episode kostet ungefähr 3-4 Mio.$., damit kann man auch was bewegen.

DSC00500.jpg

Exkursion zu International Creative Management kurz ICM. Im riesigen MGM Tower aus Glas und Stahl, residiert eine der Top Agenturen der Stadt. Hier arbeiten die Player des Hollywood Geschäfts. Development, Financing, Packaging sind die Schlagwörter. Agenturen steuern das Geschäft, wer macht was, mit wem, hier wird es zusammengeführt „Du hast nur 5 Minuten, mich zu überzeugen, dann muss ich weiter“. Nick Reed ist ein netter Vertreter seiner Zunft, verbindlich und schlau, aber eben ein Ten Percenter ein Haifisch, am Ende der Hollywood Nahrungskette. Man muss eben eine Nase haben für gute Stoffe und Hot Talent.

Raus aus der Stadt, über den Interstate 405 ins Valley. Wie immer im Verkehrschaos, egal zu welcher Uhrzeit. Ein Besuch bei Warner Bros. Eine Tour durch die Post Produktion. Hier sitzt die Film Industrie. Vorbei an unzähligen Sicherheitsmännern und Passkontrollen. Hier hat man Angst vor Piraten. Please don’t take pictures. Hier entstehen die Produkte die weltweit in den Kinos laufen und in den Regalen der Videotheken stehen. Schnitt, Vertonung, Marketing, Vertrieb und Verleih. Alles in Hightech und Technicolor. Industrielle Filmfabriken, die Jahr für Jahr die Cineplexe  mit Blockbuster Ware füttern. There’s no business, like show business.

IMG_1732.jpg

Es gibt sie noch, die wahren Filmliebhaber. Waldemar Kalinowski, ist einer von ihnen. Emigrant mit polnischen Wurzeln, Szenenbildner und Artdirector vieler Hollywoodstreifen. Er liebt sein Geschäft, recherchiert mit Akribie, entwirft und setzt seine Visionen filmisch um. Er lädt uns zu sich nach Hause ein, plaudert und ermutigt die Studenten ihren Weg zu gehen. Ihre Stimme zu entwickeln. Er gehört zum „Old Hollywood“, einer aussterbenden Spezies, die Jugend ist im Anmarsch... rette sich wer kann.

Eine feste Größe im jährlichen Seminar Programm ist der Bezahlsender HBO. Hier entsteht Qualitätsfernsehen ohne Quotendruck. Serien, Sport, Dokumentationen und Spielfilme at it’s best. Sie machen was sie wollen und jeder in der internationalen Film -und Fernsehlandschaft will mit ihnen zusammenarbeiten. Zahllose Emmys zeugen von den hohen Ansprüchen, und wir mittendrin in einer intensiven Gesprächsrunde mit Entscheidungsträgern. Die Studenten werden ermutigt ihr „Ding“ zu machen, bekommen Tipps und Kontakte. Hier ein Praktikum zu ergattern wäre ein Traum. Ein Schlaraffenland mit 38 Millionen Abonnenten.

„Kommt mich doch besuchen.“ Volker Engel, Oscar Preisträger und Filmakademie Alumni lädt uns zu einem special screening seiner Arbeit am neuen Roland Emmerich Katastrophenfilm „2012“ in die Sony Studios ein. Alles noch Top Secret. Die visuellen Effekte verschlangen fast die Hälfte des Budgets und er hatte die Kontrolle. Locker und gelöst informierte er uns über die Zusammenarbeit mit internationalen Postproduktions-Häusern, einer Armada von Grafikern und Designern und plauderte ausgiebig aus dem Computer Nerd Nähkästchen. Als dann noch Emmerich vorbeischaut ist der schwäbische Klüngel von Los Angeles fast komplett.

So vergeht ein Monat wie im Flug. Jeden Tag Unterricht, ausgedehnte Barbecues mit unseren Dozenten, anregende Diskussionen über die Unterschiede zwischen europäischem Autorenkino und dem US-Major Studio System. Persönliche Begegnungen mit mittlerweile erfolgreichen Filmakademie Absolventen, zahlreiche Kinobesuche und nahezu endlose Gespräche der mitreisenden Studenten untereinander.Und dies in einer Stadt wie Los Angeles. Einem Moloch voller Widersprüche, voller Energie. Hier wird Film gelebt und das Leben ist wie im Film. Hässlich wie ein Monstrum, verführerisch wie eine Hollywood Diva, schön wie Malibu, gefährlich wie South Central.

Seit hundert Jahren hat sich hier die Traumfabrik Hollywood zu einer hochprofessionellen Industrie entwickelt. Hart arbeitende, intelligente Spezialisten mit Western Mentalität. Tiefe Taschen gefüllt mit Asia Investoren Dollars. Ein Magnet für talentierte Goldgräber, die ihren amerikanischen Traum leben, oder ihrem Hollywood Alptraum begegnen.

Was bleibt

Egal für welchen Weg man sich entscheidet, für den klassischen europäischen Filmmarkt, mit seinen mannigfaltigen Koproduktionsmöglichkeiten und tiefen erzählerischen Wurzeln, oder den Weg des amerikanischen Modells, mit hohem Druck und erheblichen Budgets, mit industrieller Präzision und unerschöpflichem Know How.

Nach diesen First Hand Erfahrungen weiß jeder wo er sich zu Hause fühlt. Jeder der befragten Dozenten versteht sich als Geschichtenerzähler. Ob Produzent im Nadelstreifen, oder aufstrebender Jungregisseur. Alle ordnen ihren immensen Einsatz diesem einen Ziel unter. Eine Geschichte auf der Leinwand, mit all ihren Facetten an kreativer Kraft zu erzählen, die den Zuschauer erreicht. Wo dies letztlich geschieht spielt keine Rolle, egal ob in Berlin- Neukölln oder East L.A.

... nur wie man’s macht und damit auch noch internationalen Erfolg hat, und weltweit Menschen bewegt, hierbei können wir von den amerikanischen Kollegen noch jede Menge lernen.

T.L.

 

 

Newsletter

Alle Neuigkeiten vom Baden-Württemberg-STIPENDIUM bestellen »

Internetplattform

Alternativer Text

Veranstaltungen, Regional Chapters und mehr. Eintreten »