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WILLEM FOURIE

Stipendiatenjahrgang:
2005
Heimathochschule:
Stellenbosch University, Südafrika
Gasthochschule:
Eberhard Karls Universität Tübingen
Studiengang:
PhD in Systematischer Theologie
Jetziger Beruf:
Pfarrer und Forscher

Auf den Punkt gebracht...

Ich packe meinen Koffer und nehme immer mit:
Zahnbürste, Unterhose, und genug Platz, um mein Programm ändern zu können...

Dieses Klischee kannte ich von meinem Gastland:
„Die Deutschen“ sind unemotional, langweilig und arrogant.

Und so ist es wirklich:
Die Deutschen, die ich kennenlernen konnte, sind tief menschlich, interessant und offen.

Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe:
Wir brauchen einander in der Welt, um uns selbst verstehen zu können.

Seit meiner Rückkehr vermisse ich:
Maultaschen, Berlin, Heidelbeeren, die Tübinger Stiftskirche und schönes Deutsch zu hören.

Mein Lieblingswort in der Fremdsprache lautet: Na ja

Willem Fourie berichtet...

Plantanenallee in Tübingen

Plantanenallee in Tübingen

Ein Südafrikaner in Tübingen
Deutschland und Südafrika! Mir war von Anfang an klar, dass beide Länder sehr verschieden sind: Die Menschen, die Mentalität, die Sprache, die politische Situation und natürlich das Wetter. Meine Entscheidung zwei Auslandsemester in Tübingen zu verbringen, wurde maßgeblich durch die Tübinger Studenten beeinflusst, die ich in Stellenbosch, meiner Heimatuniversität, kennen lernen durfte. Auch viele meiner Dozenten haben in Tübingen studiert und empfahlen mir diese Erfahrung zu machen.
Meine Vorbereitung für meinen Auslandsaufenthalt begann schon in Stellenbosch. Ich besuchte einen Sprachkurs über die deutsche Umgangssprache und die deutsche Gesellschaft. Zwar war dies nur ein Anfang, doch schon bald konnte ich mich ein wenig unterhalten und deutsche Texte lesen. Dann traf ich mich auch mit den deutschen Austauschstudenten in Stellenbosch, die mir eines klar gemacht haben: Ein guter Austauschsstudent wird man nicht durch das Studieren allein, sondern durch die Auseinandersetzung mit der lokalen Kultur.

Communicative freedom?

Tübingen ist nicht nur weltbekannt für leckere Spätzle, sondern auch für Theologie von hoher Qualität und für eine sehr gut ausgestattete Bibliothek. Das Studium an der Universität Tübingen war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung. In Tübingen erstellte ich das Exposé für meine Doktorarbeit Communicative freedom? Wolfgang Huber’s critical engagement of modernity, die ich im März 2009 abschloss. Deshalb verbrachte ich sehr viel Zeit in der Universitätsbibliothek und der Fachbibliothek des Theologikums. Aber nicht nur die gute Ausstattung der universitären Einrichtungen, sondern auch die intensiven und hilfreichen Gespräche mit deutschen Studenten haben meine Forschung bereichert und mir zu neuen Einsichten verholfen. Mich beeindruckten die Freiheit und Selbstständigkeit, die Studenten im deutschen Universitätssystem haben und die Tatsache, dass viel Wert auf Sorgfältigkeit gelegt wird.

Von „Schinken“ und „schicken“
Genauigkeit ist auch in der Sprache wichtig. Ganz am Anfang habe ich die Wörter „Schinken“ und „schicken“ irgendwie die ganze Zeit verwechselt. Erst später habe ich dann verstanden, warum Postbeamte grinsten und Metzgerinnen komisch schauten. Ein weiteres tolles Erlebnis meiner Zeit in Tübingen hatte ich im Winter. Mein Nachbar aus dem Wohnheim und ich saßen abends auf der Schlossmauer und rauchten eine billige Zigarre. Wir betrachteten Tübingen von oben: die Lichter der Stadt, der Blick auf die Alb, und wir philosophierten über das Leben und die Liebe…. Und das vor allem auf Deutsch! Auf einmal wusste ich, dass Tübingen für mich nicht nur ein Forschungsaufenthalt war, sondern ein bereicherndes Kapitel meines Lebens.  

Ein Stück Deutschland im Gepäck…
Mein schönstes Andenken an mein Auslandsjahr in Tübingen ist zweifellos eine CD und zwar nicht irgendeine…Ein deutscher Freund schlug mir vor, dass ich doch mit ihm und seinen Freunden in einer Band Musik machen könnte. Unser persönlicher Hit war ein afrikaanses Lied, welches ich selbst geschrieben hatte. Am Ende meines Aufenthalts schlug er dann sogar vor, dass wir das Lied aufnehmen. So kam ich also zu meiner ersten eigenen Aufnahme: In einem kleinen Studentenzimmer mitten in der Tübinger Altstadt.

Und heute?
Es war eine tolle Entscheidung in Tübingen zu studieren. Ich weiß nach dem Aufenthalt nicht nur mehr über mich, sondern sogar über Südafrika. Meine Erfahrungen bereichern mich in zweierlei Hinsicht: Ich arbeite als Pfarrer und als Forscher an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth und am Beyers Naudé Centre for Public Theology an der Universität in Stellenbosch.

Wenn Sie nun selber Fragen an Willem haben, schreiben sie Ihm einfach an STIPvisite@bw-stipendium.de

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