Rede von Leonie Woutersen
ES GILT DAS GESPROCHENE WORT
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident , sehr geehrter Herr Dr. Eiselstein, sehr geehrte Damen und Herren. Ich heiße Leonie Woutersen und ich komme von der University of Waikato aus Hamilton in Neuseeland. Momentan studiere ich an der Pädagogischen Hochschule Freiburg Deutsch und Geschichte. Nach so einer Gelegenheit wie sie das Baden-Württemberg-Stipendium darstellt, hatte ich schon lange Zeit gesucht. Ich möchte Ihnen herzlich dafür danken, dass mir mit diesem Stipendium die Chance gegeben wurde, hierher nach Baden-Württemberg zu kommen und zu studieren.
Ich habe in Deutschland aber nicht nur studiert: Als ich noch in Neuseeland war, habe ich mir vorgestellt, dass ich genauso wie zuhause arbeiten und lernen würde. Aber dabei habe ich mich geirrt. Wenn man ein Auslandssemester absolviert, erlebt und erfährt man soviel mehr als nur „Studieren“: so konnte ich lernen, wie Menschen aus anderen Ländern und Kulturen denken, fühlen und handeln und wie spannend es ist, mit diesen Menschen aus verschiedenen Umgebungen in Kontakt zu treten. Obwohl ich sehr viele Deutsche kennen gelernt habe, habe ich eigentlich nicht nur eine Idee von Deutschland und den Deutschen bekommen, sondern ich habe auch einen Einblick erhalten in die Verhältnisse Europas, wo wir beim Reisen innerhalb weniger Stunden viele Länder- und Kulturgrenzen überschreiten. Und ich muss sagen: mein gesamtes Weltbild hat sich verändert: es ist vielfältiger und damit reicher geworden.
In meiner Freizeit bin ich nach Paris, Berlin, Amsterdam und in andere Städte und Regionen gefahren. So eine Chance bekomme ich nicht jeden Tag. Bei meiner Entdeckungsreise nach Freiburg, Baden-Württemberg und ganz Deutschland ist besonders ein Kurs, den ich an der Pädagogischen Hochschule besuchte, wichtig für mich gewesen: Die „Geschichtliche Landeskunde“. In diesen Seminar für ausländische Studierende sprachen wir nicht nur über Geschichte und Wirtschaftspolitik, wir besuchten auch verschiedene Städte und Einrichtungen: Heidelberg mit dem Schloß und der Ebert-Gedenkstädte, die Staatsgalerie in Stuttgart und Daimler-Chrysler, wo wir eine Werksbesichtigung bekamen. Ich möchte Ihnen wirklich danken, dass wir als Ausländer so gut empfangen worden sind, und dass wir, nach meiner Meinung, so viele Gelegenheiten hatten, Land und Leute kennen zu lernen.
Obwohl ich mein Zimmer an der Pädagogischen Hochschule ganz schön fand, war das erste Wochenende in Freiburg schon recht anstrengend. Ich bin Samstag nachmittag angekommen und war ganz enttäuscht, als ich die Erfahrung machte, daß die Läden samstags früh schließen und sonntags erst gar nicht aufmachen. Damit hatte ich am Sonntag ein Problem: nämlich einen leeren Kühlschrank. Immerhin habe ich auf diese Art dann auch meine Mitbewohnerinnen gut kennen gelernt – wir teilten uns deren Essen und schauten gemeinsam fern. Am Montag hatten wir dann unseren ersten Unterricht. Da habe ich viele andere Austauschstudenten kennengelernt und es war für uns alle nicht mehr so einsam. Zusammen haben wir dann Freiburg, Breisach, den Titisee und den Bodensee, sowie andere bekannte Orte angeschaut.
An dieser Stelle noch kurz ein paar Worte zum Thema „Heimweh?“ Natürlich gibt es einsame Zeiten, aber ich konnte damit umgehen. Und außerdem kann ich von der Pädagogischen Hochschule aus Emails schicken um Kontakt mit meiner Heimat zu halten. Darüber hinaus gibt es soviel zu sehen, zu lernen und zu arbeiten, es gibt also fast keine Zeit, um sich zu langweilen oder um richtiges Heimweh zu bekommen.
Jetzt, gegen Ende meines Aufenthalts stellt sich eher die Frage: werde ich Freiburg vermissen? Ich glaube, die Antwort ist JA. Ich freue mich schon darauf meine bekannte Umgebung und meine Freunde in Neuseeland wieder zu sehen, aber ich werde immer an Freiburg denken und an das Sommer Semester in Baden-Württemberg, wo ich soviel gelernt habe. Ich werde es wirklich meinen Studienkollegen zuhause empfehlen, auch einen Auslandsaufenthalt möglichst in Freiburg oder Baden-Württemberg zu machen. Und für mich wird es bestimmt nicht lange dauern bis ich wieder vorbei schaue.
Noch einmal ein Herzliches Dankeschön.

