Willem Fourie
Heimat-Universität: Universiteit Van Stellenbosch, Südafrika
Studienfach: Theologie
Gastuniversität: Eberhard Karls Universität Tübingen
Musikgenie und Theologe mit Township-Erfahrung
Der 24-jährige Theologe aus Südafrika, der an der Universiteit Van Stellenbosch stu-diert hat und sich derzeit in Tübingen auf seine Promotion vorbereitet, ist ein lebendiges Beispiel für die fließende Verbindung wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Engagements: Willem Fourié hat ein Hausbauprojekt in einem südafrikanischen Township begleitet, war Vorsitzender der kirchlichen Studen-tengemeinde von Stellenbosch, leitete die Serenade Group der Stellenboscher Universität und nahm erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben für klassische Musik teil.
Wir haben mit dem Baden-Württemberg-Stipendiaten über Freiheit, Eigeninitiative und den deutschen Pessimismus gesprochen.
"Es lag nahe, nach Tübingen zu gehen"
Seit März dieses Jahres ist Willem Fourié in Tübingen und arbeitet an seiner Promotion über den deutschen Theologen Wolfgang Huber. „Wenn man Theologie studiert und nach Deutschland will, dann liegt es einfach nahe, nach Tübingen zu gehen“, sagt er. „Hier haben schon immer ganz berühmte Theologen gelehrt und deshalb wollte ich auch unbedingt hierher.“ Weil er schon während seines Studiums viel Deutsch gelesen und zur Vorbereitung auf seinen Forschungsaufenthalt in Tübingen außerdem einen Sprachkurs gemacht hatte, konnte er sich gleich recht gut verständigen. Mit der engli-schen Sprache allein hätte er es vermutlich schwer gehabt, denn „selbst an der Uni-versität habe ich nur wenige Leute getroffen, die mit mir englisch reden konnten oder wollten. Das hat mich schon etwas überrascht. “
"In Deutschland ist viel Eigeninitiative gefordert"
Das Studium in Deutschland empfindet Willem Fourié als sehr angenehm: „Bei uns ist die Universität wie ein Unternehmen organisiert. Man bezahlt für einen Kurs und ver-sucht ihn deshalb möglichst erfolgreich zu beenden. Die Freiheit, ganz nach seinen In-teressen zu studieren, die gibt es bei uns gar nicht.“ In Tübingen hat er einen Bekann-ten, der Theologie und Mathematik studiert. „In Südafrika wäre das völlig unmöglich“, sagt Fourié. Überhaupt sei hier in Deutschland viel mehr Eigeninitiative gefordert. Man müsse sich viel intensiver überlegen, was man studieren wolle und welches Ziel man habe.
Da drängt sich die Frage auf, ob die akademische Freiheit an deutschen Universitäten besser ist als das streng reglementierte System in Südafrika. „Nicht unbedingt“, sagt Fourié. „Aber sie führt natürlich zu einem sehr hohen Niveau in der Forschung. Des-halb bin ich auch froh, dass ich hier sein kann.“ Ohne das Baden-Württemberg-Stipendium wäre dieser Forschungsaufenthalt kaum möglich gewesen. „Der Um-tauschkurs ist ungünstig für uns, deshalb hätte ich mir das Studium in Tübingen ohne die Hilfe der Landesstiftung Baden-Württemberg gar nicht leisten können.“
"Die Deutschen sind viel zu pessimistisch"
Was nimmt er mit aus Deutschland an Lebenserfahrung und für seine berufliche Karriere? Über die Mentalität der Deutschen wundert er sich ein bisschen. Sie leben in einem reichen schönen und sauberen Land, haben im Vergleich zu Südafrika kaum so-ziale Probleme – und trotzdem: „Die Deutschen sind so pessimistisch und sehen die Zukunft immer irgendwie düster.“ Südafrikaner sind da ganz anders. Deshalb macht sich Willem Fourié um sein berufliches Weiterkommen auch keine Sorgen. Entweder er bleibt an der Universität und wird Wissenschaftler: „Hier in Tübingen kann ich aufgrund der optimalen Forschungsbedingungen und der hervorragenden Bibliothek eine gute Grundlage für eine akademische Karriere schaffen.“ Oder er wird Pfarrer, weil ihm der direkte Umgang mit Menschen sehr wichtig ist. „Oder ich versuche beides zu vereinbaren, ich glaube das wäre das beste."
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